Donnerstag, 28. Mai 2015 (bedeckt, später sonnig, windig 28 km/h, ca. 14 bis 17 Grad), Zempléni-Gebirge (Tokaj-Gebirge), 8 bis 18 Uhr
Der aufmerksame Leser wird bemerkt haben, dass Tag 4 (Mittwoch) in meiner Reisebeschreibung fehlt. Aber aufgrund des regnerischen und windigen Wetters konnte ich an diesem Tag kaum Fotos machen, auch wenn wir uns über einige schöne Vogelsichtungen wie z.B. einen Nachtreiher mit großem Fisch im Schnabel freuen durften. Wir haben unseren Standort gewechselt und sind nun im Zempléni-Gebirge. Dieses Mittelgebirge liegt im Nordosten Ungarns nur knapp 40 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Ein größeres Areal ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Im südlichen Teil der Gebirgsregion liegt das bekannte Tokaj-Weinanbaugebiet.
Der Regen hat aufgehört, aber der Wind bläst noch ein bisschen. Wir sind für die nächsten Tage in einem kleinen, netten Hotel in Erdöbénye (Bild) untergebracht. Von hier starten wir unsere Tour. Nach nur wenigen Minuten hält der Busfahrer auf einer kleinen Straße und wir haben eine gute Sicht auf eine weite, hügelige Hochebene (Bild). Konzentriert suchen wir den Himmel ab. Nicht weit von uns zieht ein Schwarzmilan (Bild) vorbei. Ein weiterer Greifvogel taucht auf. János bestimmt ihn sicher als Schreiadler (Bilder). Der mittelgroße, dunkle Vogel gleitet mit leicht hängenden Flügeln an den Hügelausläufern entlang und landet in einer Wiese. Schreiadler suchen gerne im Gras nach Nahrung wie z.B. Kleinsäugern, Amphibien und Insekten. Sie brüten überwiegend in ausgedehnten, bewaldeten Ebenen im östlichen Mitteleuropa. Zum Überwintern ziehen sie nach Afrika.
Nach diesem beeindruckenden morgendlichen Erlebnis fahren wir etwas höher in die Berge. Wir wandern durch einen lichten Buchenwald (Bild). Hier ist das Gehör wieder wichtig und wir versuchen, Vogelstimmen zu erkennen. Eine Hohltaube fliegt in eine bereits verlassene Schwarzspechthöhle ein. János will uns einen Halsbandschnäpper zeigen. Es dauert nicht lang, bis wir einen dünnen, pfeifenden Ruf vernehmen. Aber der kleine Vogel ist recht unstet und wechselt häufig seine Position. Bis alle Teilnehmer ihn zu sehen bekommen, vergeht einige Zeit. Und ein Foto vom Halsbandschnäpper (Bild) zu ergattern, dauert ebenso. Bei unserer Weiterfahrt zum nächsten Halt kommen wir an schönen »alten« Bauernhöfen (einer davon im Bild) vorbei, wo die Kühe ihre Weide unmittelbar neben dem Stall haben und alles nicht ganz so perfekt aussieht. Da lässt sich auch ein Neuntöter (Bild) gerne nieder.
Nach der Mittagspause in Sárospatak wird es wieder spannend. János macht uns auf eine Uhu-Familie neugierig und mit seiner Ortskenntnis finden wir recht schnell ihr »Zuhause«. Vor uns erhebt sich die steile Wand eines Steinbruchs (Bild), in der wir nach einigem Suchen die drei Uhujungen (Bilder) entdecken, die gut getarnt und dösend den Tag verbringen. Toll.
Das nächste Ziel ist ein Weinberg, wo sich eine Türkentaube, mehrere Bluthänflinge und eine Heidelerche (Bild) aufhalten. In weiter Ferne kreist ein Steinadler, der von den Profis in der Gruppe gesichtet wird. Hier in der offenen Landschaft zwischen den hohen Büschen (Bild) ist auch der Lebensraum der Sperbergrasmücke (Bild). Hin und wieder zeigt sie sich, aber meistens nur ganz kurz und flüchtig.
Unser letzter Halt ist nicht weit von Erdöbénye entfernt. In der Ferne liegt ein Hof, rechts und links von der kleinen Straße breitet sich eine weite Graslandschaft aus. Für mich ist das nun die »Wachtelkönigwiese« (Bild). Denn kurz nach unserer Ankunft, hört man den Vogel bereits deutlich seinen lateinischen Namen »Crex Crex« rufen. Einige meiner Mitreisenden sehen ihn ganz nah kurz aus dem dichten Gras spähen – und schon ist er wieder in Deckung. Schade, ich habe ihn nicht gesehen. Aber später fliegt der kleine Rallenvogel noch gut sichtbar über die Straße. Während ich weiterhin aufmerksam in die Wiese schaue, beobachten meine »Birderkollegen« den Himmel. So entgeht uns der rüttelnde Schlangenadler (Bilder) nicht. Dieser große, helle Greifvogel bevorzugt offenes Gelände als Lebensraum und nistet in Bäumen. Und zum Abschluss dieses schönen Tages zeigen sich uns auch noch ein Schwarzkehlchen (Bild), ein Wiedehopf (Bild) und erneut ein Wendehals (Bild).
Vogeltagesliste: Wachtel, Jagdfasan, Weißstorch, Schwarzstorch, Schlangenadler, Schwarzmilan, Schreiadler, Steinadler, Mäusebussard, Habicht, Sperber, Rohrweihe, Baumfalke, Straßentaube, Hohltaube, Ringeltaube, Turteltaube, Türkentaube, Uhu, Waldkauz, Kuckuck, Wiedehopf, Schwarzspecht, Wendehals, Pirol, Neuntöter, Eichelhäher, Elster, Nebelkrähe, Kolkrabe, Kohlmeise, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Feldlerche, Heidelerche, Mönchsgrasmücke, Sperbergrasmücke, Kleiber, Star, Zaunkönig, Amsel, Singdrossel, Halsbandschnäpper, Rotkehlchen, Nachtigall, Schwarzkehlchen, Haussperling, Feldsperling, Bachstelze, Buchfink, Kernbeißer, Grünfink, Girlitz, Bluthänfling, Grauammer